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Weltenblick – 60 Jahre Soziologie in Zürich

Im Podcast «Weltenblick – 60 Jahre Soziologie in Zürich» taucht die Journalistin und Soziologin Christina Caprez in die Geschichte der Soziologie in Zürich ein und entdeckt unglaubliche Geschichten: Wie die Soziologie durch die Rassenforschung eine mächtige Konkurrenz erhielt, wie der Institutsgründer 1966 die Welt ins provinzielle Zürich holte und wie sich die erste Professorin allein unter Männern behauptete.

Zürcher Soziolog:innen forschten schon früh zu Themen wie Globalisierung, Migration oder Medien und Demokratie, die bis heute hochaktuell sind. Zugleich standen Forschungsschwerpunkte immer im Spiegel der Zeit. Ehemalige Soziologiestudierende sind heute in unterschiedlichsten Berufsfeldern zu finden – im Journalismus, in der Entwicklungszusammenarbeit oder in einer Headhunter-Firma.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Soziologie bis heute im Herzen tragen und der soziologische Blick ihre Haltung prägt. Sie wissen: Heute braucht es die Soziologie mehr denn je!

«Weltenblick. 60 Jahre Soziologie in Zürich» ist ein Geschenk des soziologischen Instituts der Universität Zürich (SUZ) zu seinem Jubiläum, sechs Jahrzehnte nach der Gründung im Jahr 1966.

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Folge 01 – Die verhinderte Soziologie

Das Soziologische Institut an der Universität Zürich (SUZ) ist erst 60 Jahre alt – viel jünger als andere Lehrstühle, die oft über 100-jährig sind. Warum? Zwar hielten spannende Köpfe aus dem Ausland schon ab 1900 in Zürich Vorlesungen – doch im engstirnigen Umfeld der damaligen Zeit hatte ihre Weltoffenheit keinen Platz.

In der ersten Folge spricht Christina Caprez mit Patrick Ziltener, der die Geschichte des SUZ recherchiert hat. Wir lernen die tragische Geschichte von Abroteles Eleutheropulos kennen, einen Privatdozenten aus Konstantinopel, der als Flüchtling Ende des 19. Jahrhunderts nach Zürich kam und hier über 40 Jahre lang soziologische Vorlesungen hielt.

Ein zweiter Soziologe, René König, tritt 1937 in die Fussstapfen von Eleutheropulos. Er flieht vor Hitler nach Zürich, baut rasch eine Fangemeinde unter den Studierenden auf und hat Kontakte zum Bundesrat und zur UNESCO.

Dennoch wird er von Fakultät und Kanton verschmäht und erhält keine eigene Professur. Er geht nach Köln, wo er die Nachkriegssoziologie neubegründet. Für Zürich eine verpasste Chance – aber auch ein Symptom für ein Land, das sein Selbstbild nicht durch soziologische Aufklärung zerstören wollte.

Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich.

Recherche, Produktion und Moderation: Christina Caprez. Mastering und Sounddesign: Christina Baron. Dramaturgische Beratung: Franziska Engelhardt.

Germann, Pascal. 2016. Laboratorien der Vererbung: Rassenforschung und Humangenetik in der Schweiz, 1900-1970. Wallstein Verlag. https://www.wallstein-verlag.de/9783835319509-laboratorien-der-vererbung.html.

König, René, Klaus Sander, Oliver König, Eberhard Illner, und Jürgen Elias. 2006. Ich bin Weltbürger: Originaltonaufnahmen 1954-1980. 1. Aufl. Supposé. https://swisscovery.slsp.ch/permalink/41SLSP_NETWORK/ck7c0t/alma991048597519705501.

Millard, Natalie. o. J. «Die Julius-Klaus-Stiftung für Anthropologie und Rassenhygienie». Medizinhistorisches Zürich. Zugegriffen 4. September 2026. https://dlf.uzh.ch/sites/medizingeschichte/die-julius-klaus-stiftung-fuer-anthropologie-und-rassenhygienik/.

Zürcher, Markus. 1995. Unterbrochene Tradition: die Anfänge der Soziologie in der Schweiz. Chronos-Verl.


Folge 02 – erscheint am Dienstag, 15.09.26