Europäische Betriebsräte und Arbeitnehmer in der Schweiz

Seit 1994 können Unternehmen mit mindestens 1'000 Beschäftigten in der EU und mit jeweils mindestens 150 Beschäftigten in mindestens zwei Mitgliedstaaten dazu verpflichtet werden, einen "Europäischen Betriebsrat" (EBR) als Gremium der Arbeitnehmermitwirkung ("Unterrichtung und Anhörung") auf Konzernebene einzurichten. Versuche auf politischer Ebene, die so genannte EBR-Richtlinie auch für die Schweiz bindend zu erklären, sind gescheitert. Dennoch sind auch Arbeitnehmer wie Unternehmen in der Schweiz von ihr betroffen, allerdings in unbekanntem Ausmass: Weder die Anzahl Schweizer Unternehmen mit einem EBR ist gesichert, noch ist die Anzahl der Fälle bekannt, in denen die Arbeitnehmer von Schweizer Standorten inländischer wie ausländischer transnationaler Unternehmen auf freiwilliger Basis in EBR vertreten sind. In Schweizer Arbeitgeberkreisen dominieren Befürchtungen hinsichtlich einer “Systemveränderung durch die Hintertür”, während Arbeitnehmervertreter in der Schweiz EBR eher als nützlich für ihre Tätigkeit einschätzen. Das Projekt füllt mit einer aktuellen empirischen Bestandesaufnahme der EBR mit schweizerischer Beteiligung eine Informationslücke. Mittels Fallstudien von betroffenen Unternehmen bzw. deren EBR wurde untersucht, ob sich die Handlungsfelder des Managements und/oder der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften im Zusammenhang mit EBR signifikant verändert haben. Die Ergebnisse sind nicht nur relevant für die Forschung zu den Arbeitsbeziehungen in der Schweiz, sondern auch für die Diskussion um eine "Europäisierung der Arbeitsbeziehungen" und um die Mitwirkungsmöglichkeiten von Arbeitnehmern in transnationalen Unternehmen allgemein.

Kontakt

Das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Projekt lief von November 2012 bis April 2015.

Leitung
Prof. Dr. Patrick Ziltener, Universität Zürich

Projektausführung
lic. phil. Heinz Gabathuler, Tel. +41 44 242 38 10
gabathuler.heinz [at] gmail.com

Resultate und Publikationen

Patrick Ziltener / Heinz Gabathuler (2016): Europäische Integration auf Unternehmensebene: Die Schweizer Beteiligung an Europäischen Betriebsräten (EBR). Schweizerische Zeitschrift für Soziologie 42(1), 159-174
(DOI: 10.1515/sjs-2016-0008)

Europäische Integration auf Untenehmensebene

Patrick Ziltener / Heinz Gabathuler (2016): Swiss multinational companies and their European Works Councils: European voluntarism meets Swiss voluntarism.
European Journal of Industrial Relations 22(4), 353-369
(DOI: 10.1177/0959680115619715)

Patrick Ziltener / Heinz Gabathuler (2016): When do European Works Councils become useful to employees? Lessons learned from the Alstom / Switzerland case. Transfer 22(4), 491-504
(DOI: 10.1177/1024258916667016)

Erste Ergebnisse der empirischen Bestandesaufnahme über Schweizer Vertretungen in EBR waren in einem Beitrag für die Ausgabe Juli / August 2013 von "Die Volkswirtschaft" / "La vie économique" publiziert worden:

"Die Bedeutung Europäischer Betriebsräte für die Schweiz wurde bisher unterschätzt"

"L'importance des comités d'entreprise européens a été sous-estimée"

Die Ergebnisse der empirischen Bestandesaufnahme und vorläufige Erkenntnisse aus den Fallstudien wurden an der Industrial Relations in Europe Conference (IREC) 2014 in Dublin präsentiert:

Swiss Representation in European Works Councils (auf Englisch)

Weitere Ergebnisse des EBR-Projekts flossen in ein Paper über transnationale Unternehmensvereinbarungen zu Restrukturierungen, das an der IREC 2015 in Göteborg präsentiert wurde:

European Works Councils and Transnational Company Agreements on Restructuring (auf Englisch) (PDF, 327 KB)

Zur Bedeutung der EBR für Arbeitnehmende und Gewerkschaften in der Schweiz erschien zudem ein Beitrag im Jahrbuch 2015 des "Denknetz":

Europäische Betriebsräte, Arbeitnehmende und Gewerkschaften in der Schweiz