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4110 deutschsprachige Benutzerinnen und Benutzer der Datingsite
www.partnerwinner.ch nahmen 2002
am ersten Websurvey
auf einem deutschsprachigen Datingportal teil.
Unsere Orientierungsthesen lauten:
(1) Internet ist eine neue, jedoch gleichberechtigte Institution der Partnersuche;
(2) Virtuell entstandene Bindungen sind genuine soziale Beziehungen;
(3) Besondere Natur der Online-Beziehungen -Die "anderen" Augen sehen von innen nach aussen;
(4) PartnerWinner ist ein idealtypischer Partnersuchmarkt;
(5) Die Auswirkung des Internet auf Paarbildung ist eher egalisierend als elitenbildend;
(6) Frauen sind erfolgreicher mit ihrer Beziehungssuche im Internet als Männer.
Das Ziel dieser Studie ist, repräsentative empirische Evidenzen für
online entstehende Liebesbeziehungen
zu sammeln, um kontroverse Perspektiven über die Natur von
Online-Partnerbeziehungen* neu zu beleuchten, beispielsweise:
- Wieso haben bestimmte Personen mehr Erfolg mit Beziehungsanbahnung im Cyberspace als andere?
- Wie häufig entstehen enge Online-Beziehungen?
- Wie schnell entstehen feste Paarbeziehungen?
- Welche Typen von Menschen (oder Gruppen von Menschen) tendieren dazu, im Cyberspace
romantische Kontakte zu suchen und zu knüpfen?
- Wo sind die Grenzen zwischen dem On- und dem Offline-Leben?
Hier untersuchen wir Partnerschafts- und Liebesbeziehungen im Internet, die "Paar-",
"romantische", "enge" oder "intime" Beziehungen genannt werden. Im englischsprachigen
Raum bezeichnet man solche Beziehungen mit den Adjektiven "romantic" oder "close". Uns
interessieren vorwiegend Beziehungen, die zwischen zwei Personen im
Internet entstehen, über längere Zeit bestehen und sich durch Tiefe und Intimität auszeichnen*.
Mindestens fünf entscheidende Gründe gaben den Ausschlag, uns der Herausforderung zu stellen und erstmals eine Datingplattform empirisch (und repräsentativ!)
zu untersuchen:
1. Datingportale stellen auf der Karte der Sozialwissenschaften in unseren Augen ein weisses Feld dar.
2. Eine Datingplattform wie PartnerWinner betrachteten wir, ganz unserem Forschungszweck entsprechend, in methodologischer Hinsicht als das "ultimative"
Untersuchungsobjekt.
3. In Datingportals suchen, im Vergleich zu Chats, Menschen gezielt nach einer festen Beziehung und zwar aus einer grundlegenden Motivation heraus
(intendierte Partnersuche).
4. PartnerWinner bietet sich an, als Prototyp einer Datingplattform untersucht zu werden.
5. Phänomene von Identitätskonstruktion können hier, ähnlich wie bei MUDs-Spielen, beobachtet werden. Die Benutzer können umfangreiche
virtuelle Identitäten (Profile) "konstruieren", was
die Plattform besonders attraktiv für die Untersuchung
von sozialen Beziehungen macht.
Detaillierte Ergebnisse der Webumfrage mit Tabellen und Graphiken finden Sie in der Rubrik
"Resultate". Die Auswertung des Fragebogens hat Evelina Bühler
zum Hauptgegenstand ihrer Dissertation gemacht. Durch statistisch gesicherte Zahlen über die Einstellungen,
Erwartungen und Vorstellungen der Benutzerinnen und Benutzer haben wir differenzierte Einsichten in
die Entstehungsmechanismen von Paarbeziehungen online gewonnen.
Für den zweiten Teil der explorativ angelegten Studie haben wir
18 qualitative face-to-face-Interviews
durchgeführt: neun "erfolgreiche" Paare, die sich im PartnerWinner gefunden
haben, haben uns ihre Liebesgeschichten erzählt.
Wieso wird hier eine Datingsite (in ihrer Bedeutung als Kommunikationsplattform) und nicht wie üblich ein Chat oder eine Newsgroup erforscht?
Wir haben im Jahr 2002 eindeutig festgestellt, dass es sich um ein unbeschriebenes Blatt in der sozialwissenschaftlichen Forschung handelt.
Selbst in der Cyberforschung fand dieses Gebiet bisher
wenig Beachtung. Die bisherigen Untersuchungen
von Heiratsinseraten waren vorwiegend Studien über Selbstdarstellungen in Zeitungsannoncen. Im besten Falle vermochten
sie somit die punktuellen Werthaltungen der Menschen sowie deren Wandel im Laufe des 20.Jahrhunderts zu ergründen.
Selbst die Quote der erfolgreichen Beziehungsanbahnungen infolge Zeitungsanzeigen war eine grosse Unbekannte - denn es wäre offensichtlich aus methodischen Gründen kaum
möglich gewesen, die Autoren dieser Inserate für die Untersuchung ausfindig zu machen.
Die Untersuchung ist als eine erste Phase einer fundierten quantitativen sowie
qualitativen Forschung von Online-Kontaktbörsen mit gezielter Partnersuche zu
werten - mit dem Anspruch, den Einfluss des Mediums Internet in diesen Umgebungen
adäquat zu beleuchten.
BUCH
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