Soziologisches Institut

Dr. Hanno Scholtz: Arbeitsteilung und Demokratisierung

Vortrag vom Donnerstag, 26.2.2009
Kurzbiographie und Publikationsliste

Vortrag vom Donnerstag, 26.2.2009

Abstract:

Die Modernisierungstheorie der Demokratisierung hat die Entstehung von Institutionen, die Freiheit und politische Selbstbestimmung ermöglichen, durchaus erfolgreich mit der ökonomischen Entwicklung von Gesellschaften in Beziehung gesetzt. Wie das funktioniert, ist aber weitgehend eine Black Box geblieben, und die Fortexistenz reicher Rohstoffgesellschaften mit hartnäckigen autokratischen Strukturen ist eine inzwischen wohlbekannte, aber nichtsdestoweniger ärgerliche Herausforderung der Theorie. Der Vortrag beleuchtet einen wichtigen Aspekt des Entwicklungsprozesses, der den Zusammenhang erklären kann: Entwickelte Gesellschaften sind immer arbeitsteilige Gesellschaften mit einer differenzierten Produktionsstruktur, in denen unterschiedliche Güter hergestellt werden. Differenzierung ist bereits bei Talcott Parsons (und neuerer, auf seinen Ueberlegungen aufbauender Literatur) ein Erklärungsmuster für Demokratisierung. Im Gegensatz zu Parsons, der den Differenzierungsbegriff generalisiert und ihm damit die Nachvollziehbarkeit auf der Mikro-Ebene nimmt, geht der Vortrag zurück zum einfachen Verständnis sozialer Differenzierung als Entstehung einer arbeitsteiligen Gesellschaft, wie es bei Durkheim und Simmel diskutiert wird. Diese Arbeitsteiligkeit führt zu gegenseitigen Abhängigkeiten und damit entstehender sozialer Veto-Macht: "Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will", wie es die Arbeiterbewegung formulierte. Solche Veto-Macht kann zu sozialer Blockade führen, aber demokratische Institutionen bieten die Chance einer legitimierten Ordnung, in der der Zugang zu Macht behaupteterweise gleichverteilt wird. Für eine empirische Herangehensweise ist dieser Ansatz in seiner Reinform nicht leicht handhabbar, da es international vergleichbare Daten zur Arbeitsteilung in der Produktion im wesentlichen nur für Industrieländer gibt, die den Demokratisierungsprozess in den meisten Fällen schon durchlaufen haben. Im Vortrag wird dafür ein alternativer Weg beschritten und statt der Arbeitsteilung in der Produktion diejenige des Exports betrachtet, für die international vergleichbare Daten für den Zeitraum 1968-2000 vorliegen. Da der Anteil importierter Güter am Konsum und mithin die Abhängigkeit von Devisen bei Eliten durchgängig höher ist als bei den Massen, kann argumentiert werden, dass diese Exportdaten die relevante Veto-Macht sogar eher besser fassen als dies Produktionsdaten täten. Wie sich zeigt, ist im globalen Panel tatsächlich die Arbeitsteiligkeit im Export ein starker Prädiktor für die Entstehung demokratischer Institutionen.

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